„Te lleva el diablo!“ - Ein Dokumentarfilm über die Gaiteros de San Jacinto

Mein Freund Gustavo Tatis aus Cartagena ist Schriftsteller, Feuilletonleiter der großen Tageszeitung „EL UNIVERSAL“ und mein Mentor in allen mir wichtigen kulturellen Themen Kolumbiens. Durch ihn habe ich zahlreiche Künstler, Schriftsteller, Musiker und Komponisten Kolumbiens persönlich kennenlernen können.

Und natürlich habe ich meinerseits mit großer Begeisterung kulturelle Projekte Gustavos unterstützt, wie zum Beispiel zwei Dokumentarfilme über berühmte kolumbianische Musiker und Komponisten (Francisco Zumaqué „El guardian de los ancestros sonores“ und Lucho Bermúdez „Una clarineta suena en la eternidad“). Bei einem Besuch Gustavos in Cartagena im Februar 2018 erzählte er mir von der berühmten Musikgruppe „Gaiteros de San Jacinto“, die bereits 2007 den Latin-Grammy gewonnen hatte. Zu dieser Gruppe hatte er einen sehr guten Kontakt entwickelt. Das fortgeschrittene Alter der Musiker machte ihm Sorgen, weshalb man an sich umgehend einen Dokumentarfilm über die Musikgruppe drehen müsste. Diese Idee gefiel mir so gut, dass ich mich noch während unseres Cartagena-Aufenthalts im Februar 2018 nach einem Regisseur und einem Kameramann umgesehen habe. Gustavo empfahl uns David Covo, mit dem wir unser Filmprojekt besprochen und dann sofort auch den Startschuss hierfür gegeben haben.

Mit ihm entwickelte sich eine großartige Zusammenarbeit, im Rahmen derer David mit größtem Enthusiasmus wochenlang vor Ort, also in San Jacinto, unser gemeinsames Filmprojekt vorantrieb. Dieser kleine Ort San Jacinto mit ca. 20.000 Einwohnern ist die letzte Heimstätte der sterbenden Gaita-Musik. Diese urtümlichen flötenartigen Blasinstrumente werden aus dem Holz des Cardón-Kaktusses gewonnen. Das Kopfstück des Instruments wird aus einer Mischung von Bienenwachs und Kohlestaub geformt. Als Mundstück selbst dient ein Gänsefederkiel.
Gespielt wird auf zwei verschiedenen Gaitas, dem macho (Mann) mit zwei Löchern und der hembra (Frau) mit fünf Löchern. Der Musiker mit dem macho hat, da nur zwei Löcher zu bespielen sind, noch die zweite Hand für die maracas (Perkussionsinstrument) parat.

Wir haben David 2018 zum Kolumbientag ins Stuttgarter Linden-Museum eingeladen, um dort vor einem größeren kulturinteressierten Publikum seinen Dokumentarfilm „Te lleva el diablo“ (benannt nach einem gleichnamigen Musikstück der Gaiteros) erstmals vorzustellen.

Unser Regisseur hat in der Folgezeit seinem Dokumentarfilm dann noch weitere Szenen hinzugefügt, aufgenommen in San Jacinto, aber auch bei Konzerten in Cartagena.

„Te lleva el diablo“ wurde zum 60. Internationalen Filmfestival in Cartagena (FICCI) angenommen (siehe Schreiben des Direktors des Festivals Felipe Aljure vom 17.01.2020) und sollte dort am 13. und 15.03.2020 gezeigt werden. Wegen der Corona-Pandemie konnten leider nur Fragmente des Films vorgeführt werden.

Überschattet wurde das Festival von einem traurigen Ereignis: Der wohl berühmteste Musiker der Musikgruppe Catalino Parra verstarb am 15.02.2020 im Alter von 95 Jahren. Und so muss ich im Nachhinein meinem Freund Gustavo noch nachträglich Recht geben, der hier zur Eile gedrängt hatte. Es ist uns gelungen, vor Catalino Parras Tod noch unwiederbringliche Szenen seines Lebens zu dokumentieren.

Gustavo hat anlässlich des Todes von Catalino Parra in der Zeitung EL UNIVERSAL vom 16.02.2020 einen bewegenden Nachruf mit einem noch zu Lebzeiten Catalino Parras geführten Interview veröffentlicht (EL UNIVERSAL, Ausgabe vom 16.02.2020, hier ansehen). Unser Regisseur ist zwischenzeitlich immer noch damit beschäftigt, den Dokumentarfilm weiter zu bearbeiten (einschließlich der Vertonung) und ihn von 110 Minuten auf eine Länge von ca. einer Stunde zusammenzuschneiden. Eine mühselige und langwierige Tätigkeit.

Wir haben von der ersten Version DVDs mit Begleitbroschüre und einer kunsthandwerklich geflochtenen Hülle aus San Jacinto herstellen lassen.
Bei Interesse sende ich Ihnen diese erste Version in Schmuckhülle gerne kostenfrei zu.

Der Regisseur wird auch noch einen aktuellen Bericht über diesen Dokumentarfilm schreiben, den wir an dieser Stelle veröffentlichen werden. Seinen ersten Bericht vom Mai 2018 können Sie hier ansehen.

Einen kurzen Ausschnitt aus dem Dokumentarfilm können Sie hier herunterladen.